Tagebuch 2017 aus Kiew

Teil 1, 1. Mai 2017

Nun ist es soweit. Die Proben in Kiew haben gestern am Sonntag 30. April mit Schweden begonnen. Eine Überraschung bot gestern zum einen Belgien auf. Das hochgelobte Lied wurde nach praktisch einheitlicher Meinung mehrerer belgischer und internationaler Pressevertreter kaputtinszeniert.

Die junge Blanche musste geradezu verängstigt in die Kamera geschaut haben. Ein weiterer Favorit, nämlich Portugal begeistere zwar überwiegend, aber es sang nicht Salvador selbst die Probe, sondern seine Schwester und Komponistin des Liedes. Salvador leidet an einer Herzkrankheit und wird erst zu den Halbfinals nach Kiew reisen.

Für Österreich und Nathan beginnt erst morgen der Ernst der Bühnenproben. Aber Kiew steht unter einem günstigen Vorzeichen für die rot-weiss-rote Fahne. Am Samstag ging im Sportpalast, also dort wo 2005 der Song Contest ausgetragen wurde, die zweite Liga der Eishockey-Weltmeisterschaft zu Ende und Österreich gewann diese Meisterschaft und qualifizierte sich somit für die 1. Liga der Weltmeisterschaft 2018 – in Dänemark.

Teil 2, 2. Mai 2017

Österreich und Nathan schafften das, was es gestern nicht gab. Applaus im Pressezentrum. Dazu eine auffällige Inszenierung. Nathan steht in den Wolken und ein silberner Sichelmond steht auf der Bühne.

Das Wichtigste aber: Nathan spielt gekonnt mit der Kamera und strahlt richtiggehend. Auch der Chor darf auf der großen Bühne singen und wird nicht abseits versteckt. Im ersten Halbfinale wäre dieser Auftritt ein sicherer Kandidat für das Finale. Die Inszenierungsähnlichkeit mit „Der kleine Prinz“ ist aber keine Absicht. Nathan und das Kreativteam suchten einfach den bestmöglichen Weg das Lied ideal auf die Bühne zu bringen.

Nathan ist einfach ein Sonnyboy, der alle mit seinem Charme verzauberte. Die Lachfältchen im Alter sind im sicher. Dabei schrieb er das Lied in einer Phase, in der er sich selbst motivieren musste und einen positiven Anschub brauchte. Sein Chor ist recht multikulti. Ein österreichischer Studienfreund von Nathan, ein Österreicher mit philippinischen Wurzeln, ein Kiewer und eine in Österreich lebende Belgierin. Seine gleichzeitige Bewerbung um das deutsche Kiew-Ticket ging auf einen Freund zurück. Zu der Zeit lief bereits die interne Künstlerauswahl beim ORF auf Hochtouren, als ein Freund dem NDR ein Demoband schickte. Er sah es dann einfach als zweite Chance an. Österreich war aber schneller und jetzt ist es ihm eine Ehre sein Heimatland zu vertreten.

Nach dem Ansehen des ersten Drittels des zweiten Halbfinales steht aber fest, die Konkurrenz im zweiten Halbfinale ist deutlich bunter und stärker als im ersten Halbfinale. Sollte Nathan also das Finale verpassen wäre das schlichtweg Lospech. Auf jeden Fall bezaubert Nathan die anwesende Presse und die Final Chancen werden als nicht unrealistisch eingeschätzt.

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